Zurück zu Autoren
Colette Morel

Colette Morel

Kriminalromane

“In der frankophonen Schweiz kennt man einander seit Generationen. Das ist der Grund für guten Wein, alte Geheimnisse — und die gelegentliche Notwendigkeit, genau hinzusehen.”

In einer kleinen Stadt, in der jeder jeden kennt, ist jedes Schweigen ein Beweisstück. Diese Regionalkrimis aus der frankophonen Schweiz lösen ihre Fälle nicht im Labor, sondern am Marktstand, im Redaktionsflur und am Mittagstisch. Jeder Hinweis liegt vor der Leserin, bevor die Ermittlerin ihn ausspricht — wer aufmerksam liest, löst den Fall vor der letzten Seite. Colette Morels Welt ist der Arc jurassien: Moutier, der Doubs, die Bahnlinie durch den Weissenstein. Echte Wege, echte Distanzen, eine Sprachgrenze, die mitten durch den Alltag läuft. Dort ermittelt die Reporterin Christine Duvet; in der Romandie löst Célestine Brochard ihre Fälle bei Tisch.

Colette Morel ist ein Pseudonym — eine Stimme aus dem Autoren-Kollektiv von AIvory Books.

Ein Morel-Krimi wird nicht im Labor gelöst, nicht in der Verfolgungsjagd, nicht durch ein Geständnis unter Druck. Er wird gelöst, weil in einer kleinen Region niemand ungesehen bleibt. Wer am Freitagmarkt fehlt, wer welchen Gruss erwidert und welchen nicht, wer plötzlich Französisch spricht, wo er sonst Deutsch spricht — das ist der Stoff, aus dem Christine Duvet ihre Fälle liest. Als Reporterin beim Quotidien jurassien kommt sie über journalistische und soziale Nähe an Dinge heran, an die keine Dienstmarke käme. Und weil sie selbst Teil dieser Öffentlichkeit ist, kostet jede Wahrheit sie etwas.

Ihre Methode ist das Fair-Play-Prinzip: Jeder Hinweis, den die Ermittlerin entdeckt, liegt auch vor der Leserin. Versteckt in Dialogen, in dem, was Figuren nicht sagen, in einem falschen Etikett, einem fehlenden Stempel, einem Namen, der aus einem Artikel gestrichen wird. Red Herrings gibt es reichlich — aber jeder gründet in echter Figurenpsychologie, nie in Willkür, und die Motive wachsen aus lokalen Verhältnissen. Die Lösung muss am Ende zwei Dinge gleichzeitig sein: überraschend und unvermeidlich. Die Leserin schlägt die letzte Seite um und denkt: Natürlich. Ich hätte es sehen müssen.

Das Ganze ist warm, aber nie niedlich: kein Blut, keine Forensik-Nähe, kein Zucker-Cosy. Am Ende bleibt die Ordnung bewohnbar, aber mit sichtbaren menschlichen Kosten — und mit Christines Schlussartikel, in dem sie abwägt, was sie schreibt, was sie weglässt und was Wahrheit in einer kleinen Öffentlichkeit wert ist. Wärmer und verspielter ist die zweite Stimme dieser Persona: Célestine Brochard, die in der Romandie Fälle bei Tisch löst, wo Käse, Wein und Herkunft zum Beweisstück werden — demselben Fair-Play-Vertrag verpflichtet.

Bücher von Colette Morel

Verfügbare Bücher (2)

Demnächst (1)