Zurück zu Autoren
Elias Wirth

Elias Wirth

Urban Fantasy

“Unter Wien, Berlin und Prag lauert eine ältere Welt — und sie schläft nicht.”

In der Schönlaterngasse in Wien hängt ein Basilisken-Relief. Wer fragt, warum, forscht besser bei Tageslicht. Elias Wirth folgt übernatürlichen Fällen durch reale europäische Städte: Ein Verschwinden, eine unpassierbare Tür, ein Polizeibericht, der nicht stimmen kann. Seine Ermittler kennen alte Sagen, stellen unbequeme Fragen und verlassen sich lieber auf eine brauchbare Spur als auf einen großen Zauber. Hinter dem Fall stehen Menschen, die ihnen etwas bedeuten. Die Schauplätze lassen sich auf der Karte finden. Die Gefahren nicht immer.

Elias Wirth ist ein Pseudonym — eine Stimme aus dem Autoren-Kollektiv von AIvory Books.

Was ihn besonders macht

Wirth erzählt aus der Nähe eines Ermittlers, der die verborgene Stadt kennt und trotzdem nicht alles versteht. Sein trockener Witz trifft Behördenlogik ebenso wie die eigene Selbstüberschätzung. Hinweise müssen geprüft, Zeugen gewonnen und Entscheidungen getroffen werden. Verbündete haben eigene Anliegen; aus einem Kontakt kann jemand werden, dessen Anruf man auch nach dem gelösten Fall annimmt.

Das Quellmaterial ist nicht erfunden. Marx Augustin fiel 1679 betrunken in eine Wiener Pestgrube und kam am Morgen lebend heraus — Wiens berühmteste Sage und eine Geschichte über Überleben durch Unvernunft. Karel Jaromír Erbens Kytice versammelt die böhmischen Sagen, die an Prags Brücken kleben. Der Tatzelwurm wartet in Alpentälern. Das Wilde Heer braust in den Raunächten über Dächer. Der Krampus kommt am 5. Dezember — und ist weniger wählerisch, als die Eltern hoffen. Perchtenläufe, Nöcke, venetianische Masken, slawische Leschije: dokumentiert, älter als die Städte, in denen es lebt, und definitiv nicht ausgestorben. Wirth erfindet keine Mythologie. Er gräbt sie aus. Der Unterschied ist ihm wichtig.

Wer Magie einsetzt, bezahlt dafür — etwa mit Zeit, Erinnerungen oder Gesundheit. Frühere Folgen verschwinden nicht am nächsten Morgen. Doch nicht jedes Gespräch verlangt ein Opfer. Manchmal bringt eine kluge Frage mehr als ein Zauber, und manchmal hilft jemand, weil ihm etwas an einem liegt. Auch das kann einen abgeklärten Ermittler überraschen.

Sein Leben, wie er es sich vorstellt

Aufgewachsen in Wien, achter Bezirk, Josefstadt — Altbau, knarrendes Parkett, ein Innenhof, in dem die Sonne nur im Juli den Boden erreichte. Vater Historiker, Mutter Restauratorin am Kunsthistorischen Museum. Seine Großmutter brachte Geschichten aus dem Waldviertel mit: Wassermänner im Kamp, Irrlichter bei Heidenreichstein, Türen, die nachts von allein aufgehen. Er hat sie alle in ein Schulheft geschrieben. Glauben ist optional. Dokumentation nicht.

Europäische Ethnologie an der Universität Wien — das Fach, das früher Volkskunde hieß und sich mit der Frage beschäftigt, warum Leute an Unmögliches glauben. Diplomarbeit über die Sagentopographie Wiens: räumliche Verteilung übernatürlicher Erzählungen im Stadtgebiet, vom Basilisken der Schönlaterngasse bis zu den Geistergeschichten am Zentralfriedhof. Nebenjob im Narrenturm, der Pathologisch-anatomischen Sammlung im alten Irrenhaus von Kaiser Joseph II. Fünf Stockwerke Wachsmoulagen und Feuchtpräparate. Der Rundgang lehrt einen vor allem eins: Das Unheimliche lauert nie dort, wo man sucht.

Prag, ein Jahr. Ethnologisches Institut der Karlsuniversität, tschechische Sagensammlungen, Nächte auf der Kleinseite und der Karlsbrücke. Prag hat ihm gezeigt, dass Folklore eine Stadtplanung hat — die Geschichten kleben nicht zufällig an bestimmten Orten. Budapest, Triest, Amsterdam. Überall dasselbe Muster: unter der sichtbaren Stadt eine ältere, die wartet.

Dann Berlin. Museum Europäischer Kulturen in Dahlem, geplant als Forschungsaufenthalt. Geblieben, weil Berlin die einzige Großstadt ist, in der sich das Unheimliche nicht verstecken muss. In Wien flüstert man über die Schatten. In Berlin stehen sie an der Tramhaltestelle. Wohnung in Neukölln, über einem Späti. Dort hat er angefangen zu schreiben — nicht Fachaufsätze, sondern Geschichten. Weil die Wahrheit über die verborgene Welt nicht in Fußnoten steckt, sondern in dem Moment, in dem jemand nachts an der U-Bahn-Station Schönleinstraße steht und spürt, dass etwas zurückschaut.

Heute pendelt er zwischen Wien und Berlin. Wien für die Folklore, Schicht um Schicht, von den Römern bis zu den Pestsäulen. Berlin für alles, was sich nicht die Mühe macht, sich zu verstecken.

Warum er schreibt, was er schreibt

Der Wiener Zentralfriedhof hat drei Millionen Gräber. Die Stadt hat knapp zwei Millionen Einwohner. Ich bin unter einer Mehrheit aufgewachsen, die sehr leise ist — meistens.

Wien hat mir beigebracht, dass das Unheimliche kein Gegenteil des Alltags ist. Es ist seine Grundierung. Der Basilisk in der Schönlaterngasse ist ein Relief, an dem täglich tausend Leute vorbeigehen, ohne hochzuschauen. Die Pestsäule am Graben ist ein Selfie-Motiv. Die Blutgasse klingt nach Touristenfalle. Aber nachts um drei, wenn der Wind durchzieht, klingt sie nach etwas anderem.

Ich schreibe den Moment, in dem eine Stadt die zweite Haut zeigt. In der U3 zwischen Neubaugasse und Volkstheater. Unter der Oberbaumbrücke, wo die Strömung manchmal Dinge tut, die Strömungen nicht tun sollten. Am Donaukanal, wenn der Nebel kommt und die Laternen Schatten werfen, die zu nichts gehören. An Orten, die man googeln kann. Die Magie, die dort wartet, kann man nicht googeln. Das ist das Problem.

Mein Protagonist ist zu neugierig fürs Aufgeben und oft besser darin, Gefahren zu erkennen, als Hilfe anzunehmen. Mich interessiert, für wen er trotzdem die Treppe hinuntersteigt. Eine Stadt besteht schließlich nicht nur aus ihren Geistern. Sie besteht auch aus Menschen, bei denen noch Licht brennt, wenn er zurückkommt. Für sie darf er den spöttischen Satz gelegentlich herunterschlucken.

Vermutlich keine kluge Entscheidung. Aber eine ehrliche.

Bücher von Elias Wirth

Noch keine Bücher veröffentlicht.