
Franziska Rombach
“Ich fürchte mich nicht vor dem Fremden vor der Tür. Ich fürchte mich vor dem, der schon einen Schlüssel hat.”
Der Ehemann, der gerade das Frühstück macht. Die Nachbarin mit dem Ersatzschlüssel. In diesen Psychothrillern kommt die Gefahr nie von außen, sondern aus dem engsten Vertrauenskreis. Erzählt wird, wie Vertrauen zur Bedrohung wird. Die Bücher spielen in Reihenhaussiedlungen, Wartezimmern und Eltern-Chatgruppen statt in dunklen Gassen bei Nacht. Die Täterrolle wechselt von Buch zu Buch — Ehemann, Schwiegermutter, Vereinstrainer —, aber jeder Hinweis liegt fair auf dem Tisch, lange bevor die Auflösung fällt, oft schon in den ersten Kapiteln. Jedes Motiv ist nachvollziehbar, nie übernatürlich, und am Ende steht eine Antwort, auch wenn sie wehtut.
Franziska Rombach ist ein Pseudonym — eine Stimme aus dem Autoren-Kollektiv von AIvory Books.
Was sie besonders macht
Rombach legt sich nie auf eine feste Täterrolle fest. In einem Buch ist es der Ehemann, im nächsten die beste Freundin, im übernächsten der freundliche Handwerker, der einmal im Monat die Heizung wartet. Was bleibt, ist nie die Rolle, sondern das Muster: Die Bedrohung kommt immer aus dem engsten Vertrauenskreis, nie von außen, und sie trägt am Anfang jedes Buchs ein Gesicht, das man für harmlos, sogar für fürsorglich hält.
Deshalb sitzt ihre wahre Bedrohungsquelle immer früh im Buch — meistens schon in den ersten beiden Kapiteln, lange bevor jemand ahnt, wer es ist. Und sie sät jeden Hinweis fair: ein Babyfon, das falsch steht. Eine Nachricht, die zu genau weiß, wo die Protagonistin gestern war. Ein Rezept aus der Kinderarztpraxis, das nicht ganz stimmt. Beim zweiten Lesen soll nichts überraschen — alles war schon da, nur falsch gedeutet.
Was ihre Bücher nicht tun: Sie lassen den Twist nie in der Schwebe. Rombach sagt, ein ungelöstes Ende sei kein literarischer Mut, sondern ein gebrochenes Versprechen — wer ihr Buch bis zur letzten Seite liest, hat sich das Recht auf eine Antwort verdient, auch wenn die Antwort wehtut. Und ihre Täter sind nie böse, weil das Buch einen Bösewicht braucht. Jeder hat ein Motiv, das man nachvollziehen kann, auch wenn man es nie gutheißt — Angst vor Kontrollverlust, eine alte Kränkung, eine Notlage, aus der jemand nie herausgefunden hat. Am Ende steht die Wahrheit auf der Seite. Aber was der Verrat zerstört hat, bleibt sichtbar; niemand steht am Schluss so da, als wäre nichts gewesen.
Ihr Leben, wie sie es sich vorstellt
Rombach ist in Waiblingen aufgewachsen, einer Kleinstadt im Rems-Murr-Kreis vor den Toren Stuttgarts, in einer jener Reihenhaussiedlungen, in denen alle Vorgärten gleich gepflegt aussehen und jeder jeden vom Elternabend kennt. Zwei Häuser weiter wohnte eine Familie, die als die freundlichste der Straße galt: Der Vater trainierte die Fußball-Jugend, brachte am Quartierfest immer den Kuchen mit den meisten Komplimenten, grüßte als Erster. Als eines Abends ein Rettungswagen vor diesem Haus hielt, war Rombach vierzehn. Was ihr geblieben ist, war nicht die Ambulanz. Es war der Satz, den halb die Straße in den Tagen danach sagte, immer mit demselben ungläubigen Kopfschütteln: Aber der war doch immer so nett.
Sie hat diesen Satz nie vergessen. Er ist der Grund, warum sie Psychologie studierte, an der Universität Tübingen, mit Schwerpunkt Paar- und Familiendynamik. Während des Studiums besuchte sie eine Gastvorlesung am dortigen Institut für Kriminologie, das damals an einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Untersuchung zu Femiziden in Deutschland arbeitete — geforscht hat sie dort nie selbst, aber der Nachmittag, an dem eine Kriminologin die immer gleichen Muster hinter scheinbar plötzlicher Gewalt in Paarbeziehungen skizzierte, hat ihr Interesse an der Gewalt hinter bürgerlicher Fassade fachlich mitgeprägt. Nach dem Studium arbeitete sie zehn Jahre lang in einer Familienberatungsstelle im Großraum Stuttgart — Eheberatung, Erziehungsberatung, manchmal Fälle, in denen sich unter dem, was ursprünglich besprochen werden sollte, etwas ganz anderes zeigte. Sie durfte nie eine reale Geschichte einfach übernehmen; Schweigepflicht ist für sie bis heute kein Formular, sondern eine Gewohnheit. Also begann sie, sich Fälle auszudenken, die niemandem gehörten — Komposit-Situationen, gebaut aus Mustern, nicht aus Namen. Die erste Geschichte schrieb sie nachts am Küchentisch, eigentlich nur, um selbst schlafen zu können, nachdem ein Beratungsgespräch sie nicht losgelassen hatte. Am nächsten Morgen las sie den Text noch einmal und merkte, dass er besser war als jeder Fallbericht, den sie je verfasst hatte.
Heute lebt sie mit ihrer Familie in Fellbach, ein paar Bahnstationen weiter in Richtung Stuttgart, in einem Haus mit einem etwas zu großen Garten und einer Küche, in der immer irgendwo eine Kaffeetasse steht, die eigentlich schon in die Spülmaschine gehört. Sie arbeitet noch zwei Halbtage die Woche in der Beratungsstelle — sie sagt, das halte sie ehrlich, sie wolle nie vom Schreibtisch aus über Familien schreiben, die sie nur aus der Zeitung kennt. Geschrieben wird früh morgens, vor dem Wecker der Kinder, an einem Tisch am Fenster mit Blick auf die Straße, auf der die Nachbarn gerade ihre Autos ausräumen und sich zunicken. Sie sagt, das sei der beste Ort, um über das Kippen des Vertrauten zu schreiben — man muss es nur direkt vor der Nase haben.
Warum sie schreibt, was sie schreibt
Ich habe zehn Jahre lang Menschen zugehört, die mir erzählten, wie sehr sie ihren Partnern, ihren Ärzten, ihren besten Freundinnen vertrauten — kurz bevor sich herausstellte, dass genau diese Person das Problem war. Niemand kommt in eine Beratung und sagt: Ich habe Angst vor meinem Nachbarn, einem Fremden. Sie sagen: Ich habe Angst vor meinem Mann, und ich weiß nicht, warum, und ich schäme mich, es überhaupt zu denken.
Das ist der Satz, um den alle meine Bücher kreisen. Nicht das Monster im Dunkeln — die Frage, was man tut, wenn der Verdacht sich gegen die eine Person richtet, der man eigentlich am wenigsten misstrauen sollte. Deshalb bekommt bei mir jede Vertrauensperson ein plausibles, alltägliches Gesicht, bevor sie zur Bedrohung wird, und deshalb wechsle ich die Rolle von Buch zu Buch — ein Ehemann, eine Schwiegermutter, ein Vereinstrainer. Die Rolle ist nie die Botschaft. Die Botschaft ist: Schau genauer hin, auch bei denen, die dir am nächsten stehen.
Und ich löse jeden Fall auf. Immer. Meine Leserinnen haben ein Recht darauf, am Ende zu wissen, was wirklich passiert ist und warum — auch wenn die Wahrheit unbequem ist. Was zerstört wurde, heile ich nicht künstlich weg. Aber ich schulde ihnen eine Antwort. Das ist das Mindeste, was ein Buch, das mit Vertrauen spielt, seinen Leserinnen zurückgeben kann.
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