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Marc Sorel

Marc Sorel

Historische Fiktion

“Europa zwischen den Epochen — präzise recherchiert, gegenwärtig relevant und so nah, als wärst du dabei.”

Ein Wundarzt zitiert Seneca, während er eine Wunde näht. Bei Marc Sorel muss Bildung sich im Leben bewähren: wenn ein Auskommen auf dem Spiel steht, eine Freundschaft unter Druck gerät oder ein Mächtiger Recht mit Besitz verwechselt. Seine historischen Romane sind in der Frühen Neuzeit verwurzelt. Gebildete Ich-Erzähler versuchen, etwas zu erreichen, und erkennen dabei die Widersprüche ihrer Welt wie die eigenen. Ihr scharfer Witz verschont weder die Obrigkeit noch das eigene Gewissen. Und gelegentlich gelingt ihnen etwas, worüber sie sich freuen dürfen.

Marc Sorel ist ein Pseudonym — eine Stimme aus dem Autoren-Kollektiv von AIvory Books.

Was ihn besonders macht

Sorels Erzähler sind gebildete Männer und Frauen, deren Wissen gebraucht und angezweifelt wird. Sie können eine Wunde versorgen, eine Behauptung prüfen oder mit Worten Türen öffnen. Können schützt sie nicht vor Eitelkeit, Abhängigkeit oder Irrtum. Es gibt ihnen aber Mittel, sich einzumischen. Was sie wollen und wem sie helfen, verändert den Lauf der Geschichte — auch dann, wenn ihre Gründe weniger edel sind, als sie gern behaupten.

Alles wird aus einer persönlichen Ich-Perspektive erlebt. Ironie und bittersüßer Zynismus gehören zu dieser Stimme: ein genauer Blick für Macht, Heuchelei und die eigenen Ausflüchte. Der Witz darf treffen, auch den Erzähler selbst. Daneben stehen Zuneigung, Vergnügen und Menschen, auf die Verlass ist. Eine gute Tat wird nicht dadurch unglaubwürdig, dass sie gelingt; ein Sieg macht noch keinen Heiligen.

Dazu kommt eine sinnliche Dichte, die den Leser in die Epoche hineinzieht, anstatt sie ihm zu erklären. Sorels Szenen haben Temperatur, Gewicht und Textur — die Kälte eines Steinbodens im März, das Gewicht eines chirurgischen Instruments, die Stille nach einem Gefecht, die schlimmer ist als der Lärm. Die Vergangenheit wird nicht beschrieben. Sie wird erlebt.

Sein Leben, wie er es sich vorstellt

Marc Sorel wurde in Mulhouse geboren, in jenem eigentümlichen Winkel des Elsass, wo sich Frankreich und das Heilige Römische Reich Jahrhunderte lang gegenseitig die Türen eintraten und dabei vergaßen, dass hinter den Türen Menschen wohnten. Er wuchs auf zwischen zwei Sprachen, die einander misstrauten, und suchte früh Zuflucht in Bibliotheken — zunächst in der Bibliothèque municipale, später in Strasbourg, wo er zum ersten Mal eine Handschrift aus dem sechzehnten Jahrhundert in den Händen hielt und begriff, dass Geschichte nicht in Lehrbüchern stattfindet, sondern in den Randbemerkungen, in den durchgestrichenen Zeilen, in dem, was jemand notiert hat und dann nicht zu sagen wagte.

Er studierte Geschichte an der Université de Strasbourg, mit einem Schwerpunkt auf der Frühen Neuzeit — den Religionskriegen, dem langen, blutigen Durcheinander, das Europa zwischen Reformation und Westfälischem Frieden in ein Laboratorium verwandelte, in dem jede Gewissheit getestet und die meisten verworfen wurden. Ein Forschungsaufenthalt in Montpellier führte ihn in die Archive der Faculté de Médecine, die seit dem dreizehnten Jahrhundert Wundärzte ausbildet. Dort, zwischen den Aufzeichnungen von Männern, die mit Zangen und Silberlöffeln durch ein sterbendes Europa gezogen waren und notierten, was sie sahen und nicht retten konnten, fand er die Figuren, die ihn nicht mehr losließen — nicht als historische Kuriositäten, sondern als moralische Spiegel.

Heute lebt er in der Franche-Comté, unweit von Ornans, in einem Haus, das im achtzehnten Jahrhundert eine Gerberei war. Sein Schreibtisch steht am Fenster, mit Blick auf die Loue. Besucher fragen manchmal, warum er Romane schreibt und nicht Sachbücher. Er sagt: Weil ein Sachbuch mir erzählt, was geschah. Ich will wissen, was jemand dabei dachte — und worüber er gelogen hat.

Warum er schreibt, was er schreibt

Ich schreibe über die Vergangenheit, weil sie nie vergangen ist — das hat jemand vor mir bereits gesagt, und er hatte recht, obwohl er es vermutlich eleganter formuliert hat. Was mich an der Geschichte interessiert, sind nicht die Schlachten und Friedensschlüsse und die Jahreszahlen, die man auswendig lernt und über den Prüfungen wieder vergisst. Es sind die Menschen dazwischen.

Der Wundarzt, der sein Handwerk beherrscht und einen Menschen retten will, dessen Ansichten er kaum erträgt. Der Chronist, der weiß, was ein gestrichener Satz einem anderen ersparen könnte, und was er damit verschweigt. Der Gelehrte, der Seneca liest und sich fragt, ob Tugend etwas ist, das man haben kann, oder nur etwas, das man behauptet. Mich interessiert, was diese Menschen mit ihrem Wissen anfangen, wenn es unbequem wird.

Meine Erzähler erkennen die Ausreden der anderen meist früher als ihre eigenen. Das macht sie nicht weise, aber mitunter unterhaltsam. Ich mag ihren bitteren Witz, gerade wenn er sich gegen sie selbst richtet. Und ich will wissen, wann sie sich trotz allem auf jemanden verlassen, etwas riskieren oder eine Sache zum Guten wenden. Wenn ihnen das gelingt, muss ich ihnen das Glück nicht gleich wieder wegnehmen. Die Welt liefert genügend Gründe für Zynismus. Man darf ihr gelegentlich einen vorenthalten.

Ich schreibe, weil mich die Lücke zwischen dem, was Menschen glauben, und dem, was sie tun, mehr interessiert als jede Schlacht. Das ist alles. Das ist genug.

Bücher von Marc Sorel

Noch keine Bücher veröffentlicht.