Der stille Kandidat

Der stille Kandidat

Von Saga Lindqvist

Wie kommt ein Mörder nachts ins Parlament?

Wer sich das Leben nehmen will, plant keinen Anruf für sieben Uhr. Um 00:31 schreibt der Abgeordnete Mattias Ekhammar einer Journalistin: „Kann ich dich um sieben anrufen?“ Er schickt die Nachricht nie ab. Am Morgen liegt er tot an seinem Schreibtisch im Stockholmer Parlament, einen Tag bevor er Minister werden soll.

Kriminalinspektorin Linnea Holmgren soll den Tod leise als Suizid abschließen. Um 00:47 hat eine zweite Zutrittskarte die Flurtür geöffnet. Neunzehn Tage vor seinem Tod wollte Ekhammar bei der Polizei eine Drohung anzeigen. Er bekam einen Termin in Linneas eigenem Polizeigebäude. Jemand hat ihn gestrichen.

Die Journalistin ist Elin Kask, Linneas Schulfreundin. Seit Linneas Trennung ist Elin ihr einziger Halt; jeden Montag schwimmen die beiden im kalten Wasser. Elin schützt ihre Quelle.

Linnea will wissen, wer Ekhammar umgebracht hat und wer ihn warten ließ. Der kürzeste Weg zum Beweis führt über das, was Elin weiß. Um die Freundin zu behalten, müsste Linnea aufhören zu fragen.

Die Geschichte hinter dem Buch

Mich hat an diesem Fall nicht der Tod zuerst beschäftigt, sondern der Anruf davor. Ein Mann bittet um Hilfe, bekommt einen Termin, und der Termin verschwindet. Ich wollte erzählen, wie so etwas zwischen Menschen geschieht, und wie weit eine Ermittlerin kommt, wenn sie nur glauben darf, was sie belegen kann.

Darum ist Linnea Holmgren eine Ermittlerin, die jede Zahl auf ihren Block schreibt, und darum liegt neben dem Fall eine Freundschaft, die ihn nicht löst, aber etwas kostet. Ich wollte, dass Sie das Rätsel selbst mitprüfen können: die Uhrzeit, die Karte, die zwei Tassen. Am Ende ist der Fall bewiesen, und das war mir wichtiger als jede Überraschung.

Was Sie beim Lesen entdecken

Sie erfahren, wie ein Parlamentsgebäude in Schweden nachts funktioniert: Besucher dürfen nur in Begleitung weitergehen, der Personaleingang öffnet nachts nur mit Karte, und über jeden Eintritt führt der Wachdienst ein Protokoll, das die Polizei nur auf einen schriftlichen Antrag erhält. Das Besucherverzeichnis dagegen ist öffentlich, und wer hineinsehen will, bekommt die Seite.

Sie lernen auch, wie wenig ein einzelner Todesfall dem Parlament selbst anhaben kann. Der Riksdag hat 349 Sitze, und stirbt ein Abgeordneter, rückt der Nächste von derselben Liste nach. Und Sie erleben Stockholm im November, wenn es vor sieben Uhr nicht hell wird, mit Tunnelbana, Kater, Untermiete und einem Montag am kalten Wasser.