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Lena Bergström

Lena Bergström

Zeitgenössische Romane

“Romane über Menschen, die sich in Großstädten suchen — und manchmal finden.”

Eine ungelesene WhatsApp-Nachricht liegt seit Stunden im Chat, und beide wissen es. Diese zeitgenössische literarische Fiktion erzählt von Frauen in Berlin, Wien, Hamburg und München, die sich trennen, umziehen und kündigen. Was ihre Figuren sagen, ist selten, was sie meinen — und was zwischen den Zeilen steht, ist meistens der eigentliche Roman. Freundschaften sind darin komplizierter als jede Liebesbeziehung, Klasse wird nie beim Namen genannt, und die Städte sind keine Kulisse, sondern Identitätsmarker: Neukölln im Februar, der Brunnenmarkt nach Mitternacht, das Beisl am Gürtel. Diese Gespräche hat man alle schon geführt — man hat ihnen nur nie so genau zugehört.

Lena Bergström ist ein Pseudonym — eine Stimme aus dem Autoren-Kollektiv von AIvory Books.

Was sie besonders macht

Bergström schreibt Dialoge. Das ist keine Untertreibung. Dreißig bis vierzig Prozent ihrer Romane bestehen aus direkter Rede — Gespräche, die so präzise konstruiert sind, dass sie improvisiert klingen. Was ihre Figuren sagen, ist selten das, was sie meinen. Was sie meinen, steht zwischen den Zeilen. Und was zwischen den Zeilen steht, ist meistens der eigentliche Roman.

Dazu kommt eine Spezifik, die fast obsessiv ist. Bergström schreibt nicht Berlin. Sie schreibt Neukölln im Februar, die Weserstraße nach dem Regen, den koreanischen Imbiss, der seit März geschlossen hat. Sie schreibt nicht Wien. Sie schreibt den Brunnenmarkt nach Mitternacht, das Beisl am Gürtel, an dem die U6 vorbeirattert, den Fahrradständer vor dem Café, an dem immer dasselbe Schloss hängt, obwohl das Rad seit Wochen weg ist. Ihre Städte sind keine Kulissen. Sie sind Identitätsmarker — wo du wohnst, sagt mehr über dich aus als alles, was du auf Instagram postest.

Was sie von anderen Autorinnen der Gegenwartsliteratur unterscheidet: die digitale Textur. Ihre Figuren leben online, weil alle online leben. WhatsApp-Verläufe, Instagram-Stories, Dating-App-Profile, die Notification, die aufleuchtet, während man gerade etwas Wichtiges sagt — das sind keine Gimmicks. Das ist Alltag. Und Bergström behandelt Alltag als das, was er ist: der Ort, an dem alles passiert.

Ihr Leben, wie sie es sich vorstellt

Bergström ist in Malmö aufgewachsen, in einem Reihenhaus in Limhamn, das ordentlich genug war, um langweilig zu sein, und nah genug am Öresund, um von Kopenhagen zu träumen. Ihr Vater arbeitete bei Skanska, ihre Mutter unterrichtete Schwedisch an einem Gymnasium und las am Wochenende Tove Ditlevsen, als wäre das eine Form von Selbsttherapie. Am Küchentisch wurde diskutiert — sachlich, ergebnisoffen, skandinavisch. Über Gefühle sprach man, indem man über andere Dinge sprach.

Nach dem Abitur Hamburg. Germanistik und Soziologie, eine Kombination, die in Vorstellungsgesprächen niemanden beeindruckt und in Romanen alles erklärt. Hamburg hat ihr beigebracht, dass deutsche Städte Klassengesellschaften sind, die so tun, als wären sie es nicht. Eppendorf ist nicht Wilhelmsburg. Alle wissen es. Niemand sagt es.

Dann Berlin. Eine WG in Neukölln, vier Zimmer, drei Untermieter, ein Mietvertrag, der auf einen Namen lief, der längst ausgezogen war. Berlin war der Ort, an dem Bergström anfing zu schreiben — nicht, weil die Stadt sie inspirierte, sondern weil sie dort zum ersten Mal Freundschaften führte, die so komplex, so kompetitiv, so essenziell waren, dass sie einen Roman verdienten. Nächtelange Gespräche in Bars, die es nicht mehr gibt. Die Freundin, die mehr verdiente, und das Schweigen darüber. Die andere Freundin, die ein Kind bekam, und die Frage, die sich niemand zu stellen traute: Ändert sich jetzt alles?

Zwischendurch ein Jahr in Wien. Dort lernte sie, dass Höflichkeit eine Waffe sein kann und dass die Wiener Kaffeehaus-Kultur ein hochentwickeltes System ist, um sich gegenseitig zu beobachten, ohne ertappt zu werden. Wien brachte Schlink in ihr Leben — präzise Prosa, juristische Klarheit, moralische Komplexität ohne Predigt. Dann ein halbes Jahr Stockholm - dieselbe Höflichkeit wie in Malmö, aber kälter, distanzierter, und dahinter eine Einsamkeit, die niemand zugab. Dort verstand sie, dass man eine Stadt kennen kann, ohne je dazuzugehören.

Heute lebt sie wieder in Berlin. In einer Zweizimmerwohnung in Schöneberg, die sie sich leisten kann, solange sie keine Kinder bekommt. Sie schreibt am Küchentisch, Laptop aufgeklappt, Flat White aus dem Café an der Ecke, das Telefon umgedreht, weil die Notifications sie sonst aus dem Rhythmus bringen. Manchmal schreibt sie in Zügen — Berlin–Hamburg, Berlin–München, Berlin–Wien. Sie sagt, das Rattern hilft beim Denken. Was stimmt. Aber eigentlich schreibt sie im Zug, weil der Zug der einzige Ort ist, an dem niemand eine Antwort erwartet.

Warum sie schreibt, was sie schreibt

Ich schreibe über Frauen, die nicht außergewöhnlich sind. Keine Heldinnen, keine Opfer, keine Projektionsflächen. Frauen, die morgens um sieben den Wecker wegdrücken und drei Minuten zu lang auf die WhatsApp-Nachricht starren, die sie gestern Nacht nicht beantwortet haben. Frauen, die ihre beste Freundin lieben und gleichzeitig mit ihr konkurrieren — um den besseren Job, die bessere Wohnung, die bessere Antwort auf die Frage, ob man glücklich ist.

Mich interessiert, was passiert, wenn man genau hinschaut. Nicht auf das Spektakuläre. Auf das Normale. Auf das Abendessen, bei dem alle reden und nichts gesagt wird. Auf die Trennung, die nicht dramatisch ist — kein Teller fliegt, keine Tür knallt, nur ein Satz, der zu lange in der Luft hängt, und dann ist es vorbei. Auf die Freundin, die immer zahlt, und die andere, die es zulässt, und auf das, was dazwischen liegt und worüber niemand spricht.

Meine Geschichten handeln von Klasse, auch wenn das Wort nie fällt. Von Geld, das zwischen Freundinnen steht. Von Erben und Nicht-Erben. Von der Frage, wer sich die Stadt noch leisten kann und wer schon darüber nachdenkt, aufs Land zu ziehen — und was es über uns sagt, dass wir Letzteres als Niederlage empfinden.

Ich schreibe, weil ich glaube, dass der intimste Raum der politischste ist. Dass eine ungelesene Nachricht um drei Uhr morgens mehr über unsere Gegenwart erzählt als jeder Leitartikel. Dass die Beziehung zwischen zwei Frauen — nicht romantisch, nicht sexuell, einfach diese Sache, die man Freundschaft nennt und die in Wahrheit die komplizierteste Beziehungsform überhaupt ist — der literarische Stoff ist, den diese Zeit braucht.

Meine Romane enden nie. Nicht wirklich. Die Figur hat sich verändert, die Situation nicht. Sie geht nach Hause, macht den Laptop auf, scrollt durch Instagram, sieht das Foto der Freundin, die gerade in Lissabon ist und so tut, als wäre alles perfekt. Und schließt den Laptop wieder. Das ist kein Happy End. Das ist ein ehrliches.

Bücher von Lena Bergström

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