
Zwei Sommer in der Provence
Von Clara Beaumont
Zwei Ernten, ein Weinberg, eine zweite Chance.
Vor zehn Jahren waren Camille und Étienne ein Paar. Dann ging sie nach Zürich und machte Karriere als Sommelière. Er blieb, übernahm den Familienbetrieb, wurde Vater – und verlor später seine Frau.
Nun stehen sie wieder gemeinsam zwischen den Reben. Henris Testament lässt ihnen wenig Spielraum: Erst nach zwei gemeinsam eingebrachten Ernten dürfen sie die Parzelle verkaufen. Étienne bietet Camille sofort an, ihren Anteil zu übernehmen. Sie sagt Nein.
Also arbeiten sie zusammen. Durch Frostnächte und Ernte, zwischen Schulden, alten Erinnerungen und einem Dorf, dem nicht viel entgeht. Camille vertraut ihrem Gaumen, Étienne seiner Erfahrung. Über Wein können sie stundenlang reden. Über das, was vor zehn Jahren zwischen ihnen passiert ist, deutlich schlechter.
Und während Étiennes fünfzehnjährige Tochter Camille noch immer höflich „Madame Perret“ sagt, wird aus ein paar Arbeitstagen etwas, das sich nicht mehr ganz so leicht auf Abstand halten lässt.
Zwei Ernten lang können Camille und Étienne so tun, als ginge es nur um den Weinberg.
Danach entscheidet sich ob einer geht oder beide bleiben.
Die Geschichte hinter dem Buch
Dieses Buch ist aus einem Bild entstanden, das mich nicht mehr losgelassen hat: zwei Menschen tun dieselbe Arbeit, und dabei lesen sie einander genauer als in jedem Gespräch. Ich wollte zwei Fachleute erzählen, deren Fach sie näherbringt, bevor irgendeiner von beiden ein Gefühl ausspricht. Sie ist Sommelière, sie liest Wein und Menschen am Gaumen; er führt den Weinberg, den er nicht verlassen hat, und kennt jeden Hang nach einem verlorenen Jahr wieder. Und ich wollte wissen, was von einer alten Entscheidung übrig bleibt, wenn zehn Jahre und ein Tod vergangen sind. Das Testament gibt beiden eine Frist — zwei Ernten, dann darf verkauft werden. Es gibt ihnen nicht einander. Das ist der Punkt: Der Zwang ist legal, die Nähe nicht.
Was die beiden wirklich trennt, kommt nicht von aussen. Zwischen ihnen stehen der Aufbruch von damals, die Loyalität zu einer Verstorbenen und der Stolz zweier Leute, die es nicht gewohnt sind, um Verständnis zu bitten. Nähe entsteht bei ihnen in den Händen — beim Rebschnitt, im Keller, am Marktstand — und wird im Dialog erst Stunden später hörbar. Deshalb kostet jeder ehrliche Satz etwas, und deshalb halte ich es mit den Worten so sparsam wie die beiden selbst.
Was Sie gewinnen, wenn Sie das lesen: zwei Sommer in einem Dorf, das die beiden längst zusammenliest, bevor sie es selbst zugeben. Wärme, Witz und erwachsene Nähe ohne Ausmalerei. Und ein Ende, das sich das Paar auf der Seite verdient hat — das verspreche ich Ihnen, weil ich Liebesromane schreibe und dieses Versprechen zum Genre gehört. Was ich nicht verspreche, ist, dass es nichts kostet. In diesem Buch ist Nähe teuer, und genau deshalb lohnt sie sich.
Was Sie beim Lesen entdecken
Das Buch erzählt ein volles Weinjahr im Arbeitsrhythmus, nicht als Kulisse: Rebschnitt im Winter, Blüte, Veraison, Lese, Ausbau, Füllung. Jede Phase verlangt eine fachliche Entscheidung, die beide zusammen tragen müssen — wann geschnitten wird, was eine Frostnacht den Reben zumutet, wann gelesen wird und wie lange der Most bleibt, bevor gefüllt wird. Dazu das andere Handwerk: wie eine Sommelière schmeckt. Sie beschreibt Wein so genau wie Menschen, und wer den Roman liest, lernt, warum der Gaumen ein Instrument ist, das sich irren darf — und warum Erfahrung und Gaumen an derselben Parzelle verschiedene Antworten liefern.
Dazu das Leben an einem Ort, der von Saison lebt. Der Roman spielt im Vaucluse, am Fuss des Mont Ventoux: die Genossenschaftskellerei am Ortsrand, der Wochenmarkt, die Ernte-Crew, das Café, in dem jede Neuigkeit ankommt, bevor sie passiert ist. Im Sommer ist das Dorf heiss, laut von Gästen und Zikaden; im Winter still und karg, wenn alle auf die nächste Saison warten. Wer so ein Dorf kennt, weiss, warum dort eine Rückkehr nach zehn Jahren kein privates Ereignis bleibt — das Dorf liest mit, meistens richtiger als die Betroffenen.
Und es ist ein Buch über eine Lebenssituation, die viele kennen, ohne dass ein Weinberg im Spiel sein muss: eine Entscheidung nach zehn Jahren neu beurteilen. Wer damals gegangen ist, darf nicht voraussetzen, dass der Platz frei geblieben ist. Wer geblieben ist, darf nicht hoffen, dass eine Rückkehr die Wiederholung des Früheren bedeutet. Dazu gehört beides zugleich: eine Verstorbene ehren und weiterleben. Das Buch nimmt diese zwei Wahrheiten ernst, statt eine gegen die andere auszuspielen — und lässt das Ende davon abhängen, was die beiden tatsächlich tun, nicht was das Testament von ihnen verlangt.
Die Region Vaucluse und das Weinhandwerk sind real. Das Dorf, der Familienbetrieb und alle handelnden Personen dieses Romans sind erfunden.