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Nora Wyss

Nora Wyss

Jugendbuch

“Erwachsenwerden in Europa — ehrlich, unbequem und ohne einfache Antworten.”

Ein Klassenchat um zwei Uhr nachts, in dem die halbe Jahrgangsstufe mitliest und niemand widerspricht. Die Romane von Nora Wyss fangen da an, wo das Leben von Jugendlichen eine plötzliche Wendung nimmt. Ihre Geschichten spielen in privilegierten Vororten, Kantonsschulen oder Arbeitervierteln — von Zürich bis Hamburg. Ihre Figuren kämpfen jedes Mal um alles — Freundschaft, Familie, die erste Liebe. Ihre Bücher enden mit Hoffnung, doch die hat ihren Preis. Deshalb liest man bis zur letzten Seite: Man will wissen, wie hoch er ist und wer ihn bezahlt.

Nora Wyss ist ein Pseudonym — eine Stimme aus dem Autoren-Kollektiv von AIvory Books.

Was sie besonders macht

Es gibt eine Generation, die mehr liest als alle Generationen vor ihr. Die dreißig Bücher im Jahr verschlingt, die um zwei Uhr nachts Leseempfehlungen filmt und am nächsten Morgen das Buch ausverkauft hat. Eine Generation, über die Feuilletons schreiben, sie habe keine Aufmerksamkeitsspanne — und die gleichzeitig Romanreihen mit hunderttausend Wörtern in drei Tagen durchliest. Nora Wyss schreibt für diese Generation. Nicht weil BookTok ein Marketing-Kanal ist, sondern weil dahinter eine kulturelle Kraft steht: Begeisterung, die nicht um Erlaubnis fragt.

Was Wyss von anderen unterscheidet, ist keine Technik. Es ist eine Haltung. Sie schreibt keine vereinfachte Literatur für Kinder. Sie schreibt Romane, die jungen Lesern zutrauen, was viele Erwachsene ihnen nicht zutrauen: moralische Ambivalenz auszuhalten. Figuren zu lieben, die Fehler machen. Enden zu akzeptieren, die nicht alles auflösen. Ihre Protagonist:innen sind nicht die klugen Erwachsenen von morgen — sie sind die komplizierten, widersprüchlichen, intensiven Menschen von jetzt. Sie stolpern in den Physiksaal, sagen das Falsche im falschen Moment, verlieben sich in jemanden, der alles schwieriger macht, und treffen Entscheidungen, die Konsequenzen haben. Echte Konsequenzen. Kein Erwachsener springt ein und rettet den Plot.

Ihre Romane spielen in Europa, und das ist kein Zufall, sondern Identität. In der deutschsprachigen Jugendliteratur herrscht ein seltsames Vakuum: Entweder sind die Geschichten in angloamerikanischen Settings angesiedelt, oder sie wirken, als hätte jemand eine Postkarte vertont. Wyss schreibt über Maturitätsprüfungen statt SATs, über Kantonsschulen statt Highschools, über Hamburger Hafenviertel im Juli statt Kleinstädte in Ohio. Ihre Figuren fluchen auf Französisch, texten auf Englisch und streiten auf Schweizerdeutsch. Weil so das Leben europäischer Teenager klingt.

Ihr Leben, wie sie es sich vorstellt

Aufgewachsen in der Berner Länggasse, in einer Wohnung, deren Regale aussahen, als würde irgendwann die Statik nachgeben. Vater Sekundarlehrer für Geschichte, der seinen Schülern beibrachte, dass hinter jeder Jahreszahl ein Mensch steht, der eine Entscheidung getroffen hat. Mutter Logopädin, die wusste, dass Sprache nicht nur Kommunikation ist, sondern Identität — wer die Worte nicht findet, verliert sich selbst. Zwischen den beiden hat Wyss gelernt, dass Geschichten nicht Unterhaltung sind, sondern das Werkzeug, mit dem Menschen sich die Welt erklären.

Mit vierzehn hat sie Die Tribute von Panem gelesen und etwas verstanden, das sie damals nicht benennen konnte: Wenn eine Protagonistin im Präsens erzählt, liest du nicht über sie. Du bist sie. Du stehst in der Arena. Dein Herz schlägt. Es geht um dein Leben. Diese Erfahrung hat sich eingebrannt. Nicht als literarische Technik, sondern als Versprechen: Ein Buch kann dich in jemand anderen verwandeln und gleichzeitig dir selbst näher bringen.

Gymnasium am Kirchenfeld, Schwerpunkt Sprachen, vier Sprachen auf dem Papier und keine einzige, die gereicht hätte, als es wirklich zählte — als die beste Freundin weinte und sie nicht wusste, was sagen, als der erste Junge ging und alles, was blieb, ein halbfertiger Satz war. Sie hat angefangen, in Pausen zu schreiben. Geschichten, die sie niemandem zeigte, weil sie zu nah an der Wahrheit waren. Studium in Zürich, Anglistik und Filmwissenschaft — die perfekte Kombination, um zu lernen, wie Geschichten funktionieren, warum der Midpoint in Akt zwei alles zerbrechen muss und warum das Publikum einem Charakter nur folgt, wenn er etwas riskiert, das nicht ersetzbar ist. Nebenjob in einer Buchhandlung in Wiedikon, wo sie gelernt hat, welche Cover Teenager in die Hand nehmen und welche sie liegen lassen, und dass ein dreißigsekündiges Video auf TikTok mehr Bücher verkauft als jede Rezension im Feuilleton.

Heute schreibt sie am Küchentisch in Zürich, mit Kopfhörern und einer Playlist, die für jedes Buch anders ist. Manchmal in Zügen zwischen Bern und Zürich, manchmal in der Bibliothek der Uni, wo es nach altem Papier riecht und niemand merkt, wenn sie weint, weil sie gerade die Szene geschrieben hat, in der alles auseinanderfällt.

Warum sie schreibt, was sie schreibt

Ich schreibe, weil sich jeder Mensch an die ersten Male erinnert. Die erste Liebe. Die erste Enttäuschung. Den ersten Verrat. Die erste Entscheidung, die man nicht rückgängig machen kann. Das sind keine kleinen Sachen. Das sind die Momente, die bestimmen, wer man wird. Und es ist mir egal, ob jemand findet, Literatur über Siebzehnjährige sei weniger wert als Literatur über Fünfzigjährige — das Gegenteil ist wahr. Mit siebzehn fühlst du alles zum ersten Mal. Das ist nicht weniger komplex als das zehnte Mal. Es ist komplexer. Weil du kein Vergleichsmaterial hast. Weil jeder Schmerz der schlimmste ist, den du je erlebt hast, und jedes Glück das größte. Und weil du noch nicht gelernt hast, dich davor zu schützen.

Es gibt eine Generation, die anders auf die Welt schaut als alle vor ihr. Die mit Klimaangst aufwächst und trotzdem Bäume pflanzt. Die Pronomen respektiert und nicht versteht, warum das ein Politikum sein soll. Die in einer Welt lebt, die ihre Eltern gebaut haben, und die Risse sieht, die ihre Eltern nicht sehen — oder nicht sehen wollen. Diese Generation braucht Geschichten. Nicht Geschichten, die ihr erklären, wie die Welt funktioniert. Geschichten, die ihre Sichtweise ernst nehmen. Die sagen: Deine Perspektive ist gültig. Deine Wut ist berechtigt. Dein Wunsch, die Welt zu verändern, ist kein Zeichen von Naivität, sondern von Mut.

Meine Protagonist:innen sind nicht cool. Nicht im polierten Sinn. Sie stolpern, sagen das Falsche, haben Angst vor der Prüfung, vor dem Gespräch, vor dem Satz, den jemand fast gesagt hat und dann doch nicht. Aber sie geben nicht auf. Das ist der Punkt. Nicht weil sie Heldinnen sind, sondern weil Aufgeben keine Option ist, wenn du siebzehn bist und noch dein ganzes Leben vor dir liegt und noch nicht gelernt hast, dich in Zynismus zu flüchten. Ich schreibe über das Erwachsenwerden in Europa — nicht weil europäische Teenager besser oder interessanter sind, sondern weil ihre Geschichten zu selten erzählt werden. Weil es einen Unterschied macht, ob du dein Abitur in einer Kleinstadt in Ohio schreibst oder deine Matur an einer Zürcher Kantonsschule. Weil Schweizer Teenager andere Wörter für Heimweh haben als amerikanische. Weil ein Sommer am Starnberger See einen anderen Ton hat als ein Sommer irgendwo in Kalifornien. Weil der Schnee auf den Bergen im November nicht Kulisse ist, sondern ein Gefühl.

Meine Bücher enden mit Hoffnung. Immer. Nicht mit falschen Happy Ends, in denen die Sonne scheint und alles gut wird. Sondern mit dem Moment, in dem jemand entscheidet, weiterzumachen. Trotz allem. Das ist keine Naivität. Das ist die härteste Entscheidung, die man mit siebzehn treffen kann — und die mutigste. Ich glaube nicht, dass die Welt einfach ist. Ich glaube, dass junge Menschen das auch nicht glauben. Und ich glaube, dass sie Bücher verdienen, die sie ernst nehmen. Also schreibe ich sie.

Bücher von Nora Wyss

Verfügbare Bücher (2)